Wolfgang Bosbach, einer der ganz großen, wertkonservativen Köpfe verlässt die politische Bühne

Eine Würdigung von FOCUS-Online-Korrespondentin Martina Fietz

 

Wobo hört auf. Damit wird die politische Landschaft in Deutschland demnächst ärmer, stromlinienförmiger. Denn mit Wolfgang Bosbach verlässt ein großer Kommunikator den Bundestag. Ein Mann, der die Menschen mit seinen Botschaften erreicht.

 

Und es geht einer, der authentisch ist. Der 64-jährige, der jetzt erklärte, er werde bei den Wahlen im kommenden Jahr nicht erneut antreten, steht für das, was er sagt. Bosbach ist glaubwürdig.

 

Genau deshalb verliert die Bundeskanzlerin mit diesem Rückzug aus dem Parlament nicht einen ihrer bekanntesten Kritiker, sondern vielmehr einen Parteisoldaten, der viele, die den Kurs von Angela Merkel skeptisch sehen, nach wie vor an die CDU bindet. Bosbach hat deutlich gemacht, dass sein Rückzug auch politische Gründe hat. „Die CDU hat in wichtigen Fragen Kurskor-rekturen vorgenommen, die ich nicht mehr vertreten kann“, sagt er.

 

Als Beispiele nennt er die Flüchtlingspolitik, aber auch das Vorgehen bei der Euro- Rettung, insbesondere die Vergabe von Milliardenkrediten an Griechenland. „Ich vertrete bei keinem einzigen Thema eine Auffassung, die nicht einmal auch die Auffassung der CDU war“, erklärt er. Dass seine Partei sich geändert habe, „muss ich als Demokrat akzeptieren, ich muss das aber nicht mitgehen“. Salopper hat er es vor einiger Zeit formuliert: „Ich will nicht immer die Kuh sein, die quer im Stall steht.“

 

Er weiß, wie die christdemokratische Basis tickt

Für die CDU ist sein Rückzug ein Verlust. In seiner Hochzeit füllten bis zu 200 Veranstaltungen im Jahr seinen Terminkalender. Wenn einer weiß, wie die christdemokratische Basis tickt, dann ist das Bosbach. Wo immer er auftaucht, hat er begeisterte Zuhörer und erntet er in den Regionalmedien geradezu hymnische Kommentare. Die Kanzlerin hätte sich sein Talent und seinen Instinkt stärker zunutze machen müssen.

 

Es ist ein Fehler, dass sie den Mann aus Bergisch-Gladbach nicht stärker in die Führung von Partei und Regierung eingebunden hat. Dies auch, wenn sie damit keinen Generalsekretär, Innenminister oder Fraktionschef gehabt hätte, der sich Sprachregelungen abholte: Es ist schließlich auch ein Zeichen von Führungsstärke, starke Persönlichkeiten um sich herum auszuhalten.  

 

Der Grund dafür, dass es so weit nie kam, liegt wahrscheinlich in der Verschieden- heit der beiden. Bosbach hat den Unterschied einmal treffend formuliert: Zum 50. Geburtstag von Merkel sprach ein Hirnforscher. Zu seinem fünfzigsten spielten die Höhner. Seine rheinische Leichtigkeit, unterstrichen durch eine große Verbunden- heit mit dem Kölner Karneval, wurde möglicherweise missverstanden.

 

Ein politischer Hallodri nämlich ist Bosbach nie gewesen. Unernst ist nicht seine Sache, er versteht es allerdings, ernste Themen verdaulich zu präsentieren. Und selbst die kompliziertesten Sachverhalte kann der Jurist so herunterbrechen, dass auch Nicht-Juristen sie verstehen. Das sichert ihm regelmäßig eine aufmerksame Zuhörerschaft – in der Bundestagsfraktion wie bei Journalisten, für die er so gut wie immer erreichbar ist, und eben in der Öffentlichkeit.

 

Ihm eigen ist eine permanente Unruhe. Stets ist er in Eile

Das heißt nicht, dass er nicht auch anstrengend wäre. Bosbach eigen ist eine permanente Unruhe, wenn nicht gar Hektik. Stets ist er in Eile. Und so groß seine Geduld im Umgang mit den „normalen“ Menschen ist, so sehr verabscheut er inhaltliche Unzulänglichkeiten im politischen Betrieb. Sympathisch macht ihn, dass er frei von Dünkel ist.

 

Wie sehr er Allüren bei Politikern hasst, zeigte sich schon vor langer Zeit einmal in einer Ausschusssitzung, in der der damalige Innenminister Otto Schily bedeu-tungsschwer sehr leise und für die Mehrheit der Abgeordneten damit schwer ver- ständlich sprach. Bosbach drehte sich da zu seinen Kollegen und fragte unüber-hörbar: „Hat er schon angefangen?“ Der Mann beherrscht die Kunst, Menschen zu sagen: So geht das nicht, ohne es deutlich auszusprechen.

 

Für seinen Rückzug nennt Bosbach auch persönliche Motive. 2012 machte er öffentlich, dass seine Prostatakrebserkrankung unheilbar ist. Außerdem ist er herzkrank. Allein das ist Grund genug für den Rückzug des Vaters von drei Töchtern von der politischen Bühne. Doch ist seine Entscheidung auch klug.

 

Den stellvertretenden Fraktionsvorsitz und den Vorsitz des Innenausschusses gab er ab, als er immer mehr in die Rolle des Partei-Rebellen kam, der im Widerspruch zur Spitze stand. Als einfacher Abgeordneter verabschiedet er sich zu einem Zeitpunkt, da der Schritt bei vielen Bedauern auslöst – in der CDU und darüber hinaus.

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