Was Nationalsozialismus mit Islamismus verbindet

Der algerische Ingenieur und promovierte Ökonom Boualem Sansal, (66) arbeitete lange Zeit als hoher Staatsbeamter. Seine Wut über die Zustände in dem autoritären Staat machten aus Sansal im Alter von 48 Jahren einen engagierten Schriftsteller. Weil er über die korrupte Regierung schrieb, hat er seine Anstellung verloren. In Algerien werden seine Bücher zensiert oder verrissen, in Frankreich und Deutschland hingegen begeistert aufgenommen. Für seine öffentlichen Stellungnahmen gegen Islamisten erhält er regelmäßig Morddrohungen. Sansal ist Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels.

 

In Ihrem aktuellen Buch „2084. Das Ende der Welt“ entwerfen sie in einer dystopischen Vision ein Land mit dem Namen Abistan. Wie sieht es dort aus?

Abistan ist das, was aus der Welt werden wird, wenn der Islamismus an die Macht kommt. Dann bilden Fanatismus, Ignoranz und Barbarei die Grundlage einer Gesellschaft. In kürzester Zeit werden Krisen, Krankheiten und Kriege einen Großteil der Bevölkerung ausgeschaltet haben. Das Nichts wird sich festsetzen, die Wüste wird die Oberhand gewinnen, dann gibt es nur noch ein paar wenige übervölkerte Städte. An deren Spitze steht eine Machtelite, die in von der übrigen Welt abgeschnittenen Enklaven leben wird. Das Ende der Welt ist sehr nah.

 

Glauben Sie, dass ein totalitärer Gottesstaat eines Tages Wirklichkeit werden könnte?

Der Islamismus konnte sich innerhalb von 40 Jahren in nahezu jedem Land ausbreiten, in der arabisch-muslimischen Welt, in Afrika, in Europa, in Amerika und in Asien. Und trotz einer weltweiten Koalition, die sehr schlagkräftig ist, existiert er weiter, schreitet voran, wandelt sich, drängt sich auf und perfektioniert sich. Wir hingegen stehen dem hilflos gegenüber, sind verängstigt, gespalten, machen ein Zugeständnis nach dem anderen. Kurzum: wir sind bereit zu kapitulieren.

 

In Abistan darf gerade das Wort „Islam“ nicht öffentlich ausgesprochen werden. Warum sind in diesem fiktiven Land Begriffe verboten und gleichzeitig wird eine neue Sprache erfunden?

In einer undemokratischen Welt erhebt sich die Macht und errichtet ihre Herrschaft auf den Ruinen der Vergangenheit. Die alte Welt muss zerschlagen werden, man muss sie auslöschen und vergessen, um SEINE Welt errichten zu können: eine starke, ewige, totalitäre Welt. Damit das gelingt, braucht man eine grausame Macht und ein verängstig- tes Volk, das nicht mehr in der Lage ist, zu denken. Das nicht einmal begreift, dass es sich auflehnen kann. Außerdem gelingt es mit einer neuen Sprache, die ausdrucksarm ist, die sich auf das Wesentliche beschränkt, aus der sämtliche Wörter verbannt sind, die die Fantasie anregen könnten wie Freiheit, Liebe und Glauben.

 

Woher kam die Idee, eine gleichzeitig totalitäre und absurde Welt zu entwerfen?

„2084“ ist im Wesentlichen beeinflusst von George Orwells „1984“ , aber auch von Büchern, die sich mit Diktaturen, mit Machtergreifung, dem Absurden und dem Ende der Welt beschäftigen. Es ist auch von Kafka inspiriert, dem es gelungen ist die albtraumhafte Seite von Diktaturen einzufangen.

 

In einem früheren Werk „Das Dorf des Deutschen“ ziehen Sie den Vergleich zwischen Islamismus und Nationalsozialismus. Geht das nicht zu weit?

Die Gemeinsamkeiten zwischen Islamismus und Nationalismus sind zahlreich und klar erkennbar: Gewaltherrschaft, Helden- und Führerkult, die Idee eines auserwählten arabischen Volkes, um die Menschheit rein zu halten, der Hass auf die Demokratie und den Juden und die Rekrutierung und Militarisierung der Bevölkerung. Historisch betrachtet, gibt es auch ideologische Gemeinsamkeiten, aus den 30er und 40er Jahren, zwischen Hitler und dem Großmufti von Jerusalem. Diese Gemeinsamkeiten haben tiefe Spuren hinterlassen. Sie erklären die Verehrung, die Islamisten noch heute für den Nationalsozialismus und speziell für Hitler hegen.

 

Sie kennen den Islamismus sehr genau. Wie ist er entstanden?

Der Islamismus ist eine religiöse und politische Radikalisierung des Islam. Er hat eine lange Geschichte und es gab ihn immer, in allen muslimisch geprägten Staaten, in unterschiedlichen Ausformungen. Die Kolonisierung durch die Europäer während des 19. Jahrhunderts und der Untergang des osmanischen Kalifats Anfang des 20. Jahrhunderts haben dazu geführt, dass der Islamismus zur revolutionären Keimzelle unter den muslimischen Völkern geworden ist. Unter ihm mobilisierten sich jene Kräfte, die diese Länder von der Kolonialherrschaft befreien wollten. Davon ausgehend erneuerte sich die prophetische Mission des Islam: die Muslime zu einen und die Welt zu „islamisieren“.

 

Woher kommt die Ideologie der Islamisten?

Diese radikale Auslegung des bekehrenden und weltumspannenden Islam speiste sich aus hauptsächlich drei Quellen: erstens den steinreichen Saudis, die durch die USA unterstützt wurden; dann aus dem verarmten und übervölkerten Ägypten, das von den Muslimbrüdern beherrscht wird und drittens kommt sie aus Afghanistan. Dort wird der Radikalismus von „Allahs Narren“ getragen. Jenen Arabern, die mit den Taliban gegen die UdSSR gekämpft haben und die nach dem Abzug der Sowjets in ihre Länder zurückgekehrt sind: den Maghreb, den Nahen Osten oder nach Europa. Und denen, die sich al-Qaida angeschlossen haben oder in andere Kampfgebiete gegangen sind: in den Jemen, den Irak und nach Mali.

 

Und in Algerien?

In Algerien hat sich der Islamismus – der aus Saudi-Arabien und Ägypten stammt – zwischen 1979 und 1990 an der Macht beteiligt. Durch sein aktives Eingreifen konnter er die Politik der Regierung beeinflussen – besonders bei der Kontrolle der Sitten und der Bildung – und die Sympathien der Bevölkerung gewinnen: durch soziale Aktionen und lautstarkes Anprangern der Korruption, des Westens, des amerikanischen Imperialismus und des Zionismus.

 

Mit anderen Intellektuellen haben Sie in der französischen Wochenzeitung „Marianne“ einen offenen Brief gegen den Islamismus unterzeichnet. Kurz darauf wurden Sie der Islamophobie bezichtigt. Gibt es in Europa Sprechverbote?

 

Das ist ganz logisch, die Islamisten und ihre Fürsprecher organisieren ihre Verteidigung, sie wollen die Gesellschaft zum Schweigen bringen, um sie zu beherrschen. Die Intellektuellen dürfen sich aber nicht einschüchtern lassen, sie müssen weiterhin den Islamismus und seine Unterstützer anprangern. Die algerischen Intellektuellen beispielsweise gefallen sich darin, mir einen Schauprozess zu machen, immer wenn ich etwas veröffentliche. Ich allein werde nicht wirklich bedroht, denn die Bedrohung in diesem Land ist überall. Ich werde beleidigt, mehr oder weniger gewalttätig, und zwar aus allen Richtungen: aus Frankreich, der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan.

 

Unabhängig vom radikalen Islam, glauben Sie an die Möglichkeit eines aufgeklärten Islam?

Man muss sich über eines im Klaren sein: dass eines Tages ein aufgeklärter Islam auf- taucht und sich weiterentwickelt, dafür gibt es keine Grundlage, in keinem Land – sei es ein arabisches oder ein europäisches. Das würde Jahrhunderte dauern und spezielle Bedingungen voraussetzen, die es nirgendwo gibt: zum Beispiel eine breite aufgeklärte muslimische Elite, die vielfältig strukturiert ist, mit klaren theologischen Strukturen. Um die Modernisierung des Islam und der islamischen Bevölkerungen einzuleiten, müssten auch demokratische arabische Staaten einbezogen werden. Dann muss man sich auch darüber im Klaren sein, von welchen Islam man spricht, es gibt so viele religiöse Strömungen, so viele politische Größen (arabisch, türkisch, iranisch), so viele unverein- bare strategische Interessen.

 

Sie vertreten eine klare laizistische Haltung. Privat sind sie weder praktizierender noch gläubiger Muslim. Warum?

In einer pluralistischen und offenen Gesellschaft muss die Religion Privatsache bleiben, sie erzeugt zu viele Spannungen und errichtet Gräben, sobald sie Einfluss auf den öffentlichen Raum hat. In allen muslimischen Ländern – außer dem Libanon – ist der Islam offizielle Religion, der Staat ist ihr Wächter. Für den Islam ist der Laizismus eine Häresie, deshalb kann sich kein einziger arabischer Staat laizistisch nennen. Er würde sofort von der Bevölkerung abgelehnt werden und von anderen muslimischen Staaten auf den Index gesetzt werden. Menschen brauchen Demokratien, um in Frieden leben zu können und um ihre konkreten und sehr komplexen Probleme zu lösen wie das Schwinden von Ressourcen oder die globale Erwärmung. (Quelle: Politmagazin CICERO)

 

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